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Weiterbildung Führungskräfteentwicklung: Methoden, 5 Säulen und passende Schulungen

Corinna Behling
Corinna Behling

Weiterbildung in der Führungskräfteentwicklung unterstützt Führungskräfte dabei, ihr Verhalten gezielt zu reflektieren, neue Kompetenzen aufzubauen und diese im Arbeitsalltag anzuwenden. Besonders wirksam sind Programme, die Seminare mit Coaching, Feedback, Praxiserfahrung und langfristiger Transferbegleitung verbinden.

Führungskräfte entwickeln sich nicht automatisch mit der Zeit. Berufserfahrung kann helfen, ersetzt aber keine bewusste Auseinandersetzung mit Kommunikation, Entscheidungsverhalten, Selbstführung und Veränderung.

Kernaussage: Gute Führungskräfteentwicklung besteht nicht aus einem einzelnen Seminar. Sie kombiniert formales Lernen, soziale Lernformen und konkrete Führungserfahrungen.

Warum ist Weiterbildung in der Führungskräfteentwicklung strategisch relevant?

Weiterbildung in der Führungskräfteentwicklung ist strategisch relevant, weil Führung das tägliche Verhalten von Teams, die Zusammenarbeit und den Umgang mit Veränderung prägt. Sie sollte deshalb nicht nur bei akuten Problemen eingesetzt werden, sondern als kontinuierlicher Entwicklungsprozess angelegt sein.

Eine wissenschaftliche Evidenzübersicht nennt unter anderem erfahrungsbasiertes Lernen, kombinierte Methoden, Coaching, Mentoring, längere Lernverläufe, Zielvereinbarungen und 360-Grad-Feedback als Ansätze, die mit einer höheren Wirksamkeit von Führungskräfteentwicklung verbunden sind. cipd

Das bedeutet nicht, dass jedes Trainingsprogramm automatisch Wirkung erzielt. Entscheidend sind unter anderem:

  • ein klarer Bezug zu konkreten Führungsanforderungen
  • realistische Entwicklungsziele
  • ausreichend Zeit für Übung und Reflexion
  • Feedback von unterschiedlichen Perspektiven
  • Unterstützung durch die direkte Führungskraft oder das Unternehmen
  • eine Begleitung nach dem eigentlichen Training

Eine Meta-Analyse von Lacerenza und weiteren Forschenden untersucht deshalb nicht nur die Inhalte, sondern auch Gestaltung, Durchführung und Implementierung von Führungskräftetrainings. doerr.rice

Weiterbildung und Führungskräfteentwicklung sind nicht dasselbe

Weiterbildung bezeichnet einzelne Lernmaßnahmen oder Programme. Dazu gehören beispielsweise Seminare, Workshops, Coaching, Zertifikatskurse oder digitale Lernangebote.

Führungskräfteentwicklung ist umfassender. Sie beschreibt den längerfristigen Prozess, in dem Führungskompetenzen aufgebaut, im Alltag angewendet und weiterentwickelt werden.

Ein zweitägiges Seminar kann ein wichtiger Bestandteil sein. Erst durch die Anwendung im Alltag, Feedback und wiederholte Reflexion wird daraus nachhaltige Entwicklung.

Was ist Weiterbildung in der Führungskräfteentwicklung?

Weiterbildung in der Führungskräfteentwicklung umfasst alle strukturierten Maßnahmen, die Führungskräfte beim Ausbau ihrer fachlichen, sozialen, persönlichen und strategischen Kompetenzen unterstützen.

Im Mittelpunkt steht nicht nur die Vermittlung von Wissen. Führungskräfte lernen vor allem, wie sie:

  • Gespräche klar und wertschätzend führen
  • Feedback geben und annehmen
  • Aufgaben sinnvoll delegieren
  • Konflikte frühzeitig erkennen und bearbeiten
  • Mitarbeitende individuell entwickeln
  • Entscheidungen unter Unsicherheit treffen
  • Veränderungsprozesse begleiten
  • die eigene Wirkung reflektieren
  • Teams auch auf Distanz oder hybrid führen

Der Unterschied zu allgemeiner beruflicher Weiterbildung liegt im Fokus auf Führungsverhalten und Wirkung. Es geht nicht nur darum, was eine Führungskraft weiß, sondern auch darum, wie sie handelt und welchen Einfluss ihr Verhalten auf andere Menschen hat.

Weiterbildung Führungskräfteentwicklung: Welche Methoden gibt es?

Wirksame Führungskräfteentwicklung setzt auf eine Kombination verschiedener Methoden. Kein einzelnes Format kann Wissen, Verhalten, Selbstreflexion und Praxiserfahrung gleich gut abdecken.

Formale Weiterbildungsformate

Formale Formate vermitteln Grundlagen, Modelle und strukturierte Vorgehensweisen.

  • Seminare und Workshops: Geeignet für den systematischen Kompetenzaufbau in Gruppen
  • Zertifikatsprogramme: Mehrstufige Programme mit definierten Lernzielen und Abschluss
  • Executive Education: Kompakte Weiterbildungen für erfahrene Führungskräfte
  • MBA-Programme: Geeignet, wenn zusätzlich umfassende betriebswirtschaftliche und strategische Kenntnisse erforderlich sind
  • Online-Kurse und E-Learning: Flexibel, skalierbar und ortsunabhängig
  • Inhouse-Programme: Auf die konkreten Herausforderungen eines Unternehmens zugeschnitten

Formale Weiterbildungsformate schaffen eine gemeinsame Wissensbasis. Sie reichen allein jedoch oft nicht aus, um dauerhaft neues Führungsverhalten aufzubauen.

Begleitende Formate

Begleitende Formate helfen dabei, Inhalte auf die eigene Situation zu übertragen.

  • Führungskräfte-Coaching: Individuelle Begleitung bei konkreten Führungsfragen
  • Mentoring: Erfahrungsweitergabe durch eine erfahrene Führungspersönlichkeit
  • Supervision: Professionelle Reflexion belastender oder komplexer Führungssituationen
  • Peer-Learning-Gruppen: Gegenseitige Beratung und Erfahrungsaustausch
  • Intervision: Kollegiale Fallberatung ohne dauerhaft externe Begleitung
  • Reflexionsgespräche: Regelmäßige Auswertung persönlicher Fortschritte

Eine Meta-Analyse zum Workplace-Coaching beschäftigt sich ausdrücklich mit Lern- und Leistungsergebnissen von Coaching im Arbeitskontext. bpspsychub.onlinelibrary.wiley

Erfahrungsbasierte Formate

Führung wird zu einem großen Teil in realen Situationen gelernt. Erfahrungsbasierte Formate machen diese Situationen bewusst zum Bestandteil der Entwicklung.

  • Stretch Assignments: Herausfordernde Aufgaben außerhalb der bisherigen Komfortzone
  • Job Rotation: Zeitlich begrenzte Einblicke in andere Abteilungen oder Geschäftsbereiche
  • Projektverantwortung: Führung in komplexen, bereichsübergreifenden Projekten
  • Vertretungsaufgaben: Übernahme zusätzlicher Verantwortung auf Zeit
  • 360-Grad-Feedback: Rückmeldungen von Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeitenden
  • Praxisprojekte: Anwendung neuer Methoden an einer realen organisatorischen Herausforderung

Welche Methode passt zu welchem Entwicklungsziel?

Entwicklungsziel Besonders passende Methoden
Grundlagen der Führung Seminar, Workshop, E-Learning
Eigene Wirkung verstehen Coaching, 360-Grad-Feedback, Selbstreflexion
Kommunikation verbessern Rollenspiele, Videoanalyse, Coaching
Konflikte bearbeiten Supervision, Fallarbeit, Mediationstraining
Strategischer denken Executive Education, Projektverantwortung, Peer-Learning
Veränderung gestalten Change-Programm, Praxisprojekt, Mentoring
Führung in der Praxis festigen Stretch Assignment, Transfersicherung, Reflexionsgespräche

 

Die sinnvollste Kombination hängt von der Erfahrung, der Rolle und dem konkreten Entwicklungsbedarf ab.

Was sind die 5 Säulen einer Führungskraft?

Die folgenden fünf Säulen bilden ein praxistaugliches Modell für zentrale Führungskompetenzen. Sie sind keine weltweit einheitlich definierte wissenschaftliche Taxonomie, helfen aber dabei, Weiterbildungsbedarfe übersichtlich zu strukturieren.

1. Selbstführung

Selbstführung ist die Grundlage wirksamer Führung. Dazu gehören Selbstreflexion, Priorisierung, emotionale Selbstregulation und ein bewusster Umgang mit den eigenen Stärken und Grenzen.

Eine Führungskraft mit guter Selbstführung kann:

  • eigene Reaktionen besser einordnen
  • unter Druck handlungsfähig bleiben
  • Prioritäten setzen
  • Verantwortung für Entscheidungen übernehmen
  • persönliche Entwicklungsfelder erkennen
  • die eigene Energie und Arbeitsfähigkeit schützen

Wer die eigene Wirkung nicht reflektiert, führt häufig unbewusst nach gewohnten Mustern.

2. Kommunikation

Führung findet zu einem großen Teil in Gesprächen statt. Kommunikationskompetenz umfasst deshalb nicht nur das klare Formulieren von Erwartungen, sondern auch aktives Zuhören, Feedback und den Umgang mit schwierigen Botschaften.

Wichtige Themen sind:

  • Feedbackgespräche
  • Zielvereinbarungen
  • Mitarbeitergespräche
  • Delegation
  • Konfliktgespräche
  • Präsentationen
  • Moderation
  • Kommunikation in Veränderungsprozessen

Gute Führungskommunikation schafft Klarheit, ohne unnötigen Druck aufzubauen.

3. Mitarbeiterführung

Mitarbeiterführung bedeutet, Menschen individuell zu verstehen, zu unterstützen und zu entwickeln. Nicht jede Person braucht dieselbe Form von Führung.

Dazu gehören:

  • situatives Führen
  • Motivation und Anerkennung
  • Entwicklungsgespräche
  • Delegation und Verantwortung
  • Umgang mit unterschiedlichen Arbeitsstilen
  • Förderung von Selbstständigkeit
  • Aufbau von Vertrauen
  • Umgang mit Leistungsproblemen

Eine Führungskraft muss dabei zwischen Unterstützung, Orientierung und klaren Erwartungen ausbalancieren.

4. Strategisches Denken

Strategisches Denken hilft Führungskräften, über das Tagesgeschäft hinauszublicken. Dazu gehören Priorisierung, Zielorientierung und die Fähigkeit, einzelne Aufgaben mit übergeordneten Unternehmenszielen zu verbinden.

Strategisch führende Menschen können:

  • relevante von weniger relevanten Themen unterscheiden
  • Ressourcen gezielt einsetzen
  • Zielkonflikte erkennen
  • Entscheidungen nachvollziehbar begründen
  • Zusammenhänge zwischen Bereichen verstehen
  • Teams auf gemeinsame Ziele ausrichten

Diese Kompetenz gewinnt besonders dann an Bedeutung, wenn Führungskräfte bereichsübergreifende oder unternehmerische Verantwortung übernehmen.

5. Veränderungskompetenz

Veränderungskompetenz beschreibt die Fähigkeit, Wandel selbst zu gestalten und andere sicher durch Veränderungsprozesse zu führen.

Dazu zählen:

  • Umgang mit Unsicherheit
  • transparente Kommunikation
  • Beteiligung von Mitarbeitenden
  • Umgang mit Widerstand
  • Entwicklung einer Veränderungsstrategie
  • Förderung von Lernbereitschaft
  • Stabilität während Übergangsphasen

Veränderungskompetenz bedeutet nicht, jede Veränderung gutzuheißen. Sie bedeutet, Orientierung zu geben, Entscheidungen zu erklären und mit den Folgen des Wandels konstruktiv umzugehen.

Welche Schulungen braucht eine Führungskraft?

Welche Schulungen sinnvoll sind, hängt von der Erfahrung, der Rolle, dem Verantwortungsumfang und dem aktuellen Entwicklungsbedarf ab. Eine neue Führungskraft braucht andere Inhalte als eine erfahrene Bereichsleitung.

Neue Führungskräfte in den ersten ein bis zwei Jahren

Für den Einstieg sind Grundlagen wichtig, die Sicherheit im Führungsalltag schaffen.

Geeignete Schulungen sind:

  • Grundlagen der Mitarbeiterführung
  • Rollenwechsel vom Kollegen zur Führungskraft
  • Erwartungen und Ziele klar formulieren
  • Feedbackgespräche führen
  • Delegieren lernen
  • Konflikte frühzeitig ansprechen
  • Mitarbeitergespräche strukturieren
  • Selbstorganisation und Priorisierung
  • rechtliche Grundlagen der Führungsverantwortung
  • gesundes Führen und Umgang mit Belastung

Der häufigste Fehler in dieser Phase ist, Führung auf fachliche Leistung zu übertragen. Gute Fachkenntnisse sind hilfreich, ersetzen aber keine Führungskompetenz.

Erfahrene Führungskräfte mit zwei bis sieben Jahren Erfahrung

Mit wachsender Erfahrung verschieben sich die Entwicklungsfragen. Es geht weniger um einzelne Führungsinstrumente und stärker um Wirkung, Strategie und komplexe Situationen.

Geeignete Themen sind:

  • Führen auf Distanz und in hybriden Teams
  • Teamentwicklung
  • strategische Kommunikation
  • Konfliktmoderation
  • Changemanagement
  • Kulturentwicklung
  • Führen in Krisen
  • Umgang mit Macht und Verantwortung
  • Führung ohne Mikromanagement
  • Entwicklung der eigenen Führungspersönlichkeit
  • Coaching-Kompetenz für die Mitarbeitenden

Senior-Führungskräfte und Executives

Senior-Führungskräfte benötigen häufig Formate, die über die direkte Teamführung hinausgehen.

Dazu gehören:

  • systemisches Denken
  • Organisationsentwicklung
  • strategische Führung
  • Transformation
  • Unternehmenskultur
  • Executive Presence
  • Kommunikation mit internen und externen Stakeholdern
  • Entscheidungsfindung in komplexen Systemen
  • Nachfolgeplanung
  • Führung über mehrere Ebenen
  • Umgang mit öffentlichen oder politischen Erwartungen

Auf dieser Ebene ist Führungskräfteentwicklung häufig eng mit Unternehmensstrategie und Organisationsentwicklung verbunden.

Wie wählst Du das richtige Weiterbildungsprogramm aus?

Das passende Programm erkennst Du nicht allein am Titel oder an der Bekanntheit des Anbieters. Entscheidend ist, ob Inhalte, Lernformate und Transfer zu Deiner konkreten Situation passen.

Fragen zur eigenen Situation

Kläre vor der Auswahl:

  • Wo stehe ich aktuell in meiner Führungsentwicklung?
  • Welche Situationen fallen mir besonders schwer?
  • Geht es eher um Fachwissen, Verhalten oder persönliche Wirkung?
  • Welche Kompetenz möchte ich nach der Weiterbildung konkret besser einsetzen?
  • Welche Zeit kann ich realistisch investieren?
  • Brauche ich eine Einzelbegleitung oder lerne ich besser in einer Gruppe?

Formuliere den Entwicklungsbedarf möglichst beobachtbar. „Ich möchte besser führen“ ist zu allgemein. Klarer ist: „Ich möchte in schwierigen Gesprächen Erwartungen deutlich formulieren und gleichzeitig im Dialog bleiben.“

Fragen zum Programm

Prüfe, ob:

  • das Programm auf Deine Erfahrungsstufe zugeschnitten ist
  • die Inhalte zu Deiner Rolle passen
  • ausreichend Praxisfälle vorgesehen sind
  • Rollenspiele oder Simulationen eingesetzt werden
  • Du individuelles Feedback erhältst
  • Coaching oder Mentoring Bestandteil des Programms ist
  • zwischen den Einheiten Transferaufgaben vorgesehen sind
  • die Trainerinnen und Trainer selbst Führungserfahrung haben
  • Du mit anderen Führungskräften lernen kannst
  • die Gruppengröße einen echten Austausch ermöglicht
  • der Umfang realistisch mit Deinem Arbeitsalltag vereinbar ist

Ein gutes Programm beschreibt nicht nur Inhalte, sondern auch den erwarteten Praxistransfer.

Fragen zur Organisation

Auch das Umfeld entscheidet über den Erfolg:

  • Unterstützt das Unternehmen die Weiterbildung zeitlich und finanziell?
  • Kennt die direkte Führungskraft die Entwicklungsziele?
  • Gibt es Zeit für die Anwendung im Arbeitsalltag?
  • Sind Praxisprojekte oder neue Verantwortungsbereiche möglich?
  • Gibt es nach dem Programm Anschlussformate?
  • Werden Fortschritte gemeinsam ausgewertet?
  • Passt die Weiterbildung zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens?

Ohne Unterstützung im Arbeitsumfeld bleibt Weiterbildung leicht eine isolierte Maßnahme.

Wie gelingt der Transfer in den Führungsalltag?

Transfer gelingt, wenn Führungskräfte neue Inhalte direkt auf reale Situationen anwenden. Ein Seminar sollte deshalb mit einem konkreten Entwicklungsziel beginnen und nicht erst mit der letzten Veranstaltung enden.

Vor der Weiterbildung

  • Führe eine Selbsteinschätzung durch.
  • Hole gezielt Rückmeldungen von Mitarbeitenden oder der eigenen Führungskraft ein.
  • Wähle eine konkrete Führungssituation als Praxisfall aus.
  • Definiere ein bis zwei beobachtbare Verhaltensziele.

Während der Weiterbildung

  • Arbeite mit echten Fällen aus dem Führungsalltag.
  • Übe schwierige Gespräche in Rollenspielen.
  • Hole Dir konkretes Feedback.
  • Tausche Dich mit anderen Führungskräften aus.
  • Übertrage Modelle direkt auf Deine aktuelle Situation.

Nach der Weiterbildung

  • Setze die neuen Verhaltensweisen zeitnah ein.
  • Vereinbare Reflexionsgespräche.
  • Bitte erneut um Feedback.
  • Dokumentiere Fortschritte und Rückschläge.
  • Überprüfe die Ziele nach 30, 60 und 90 Tagen.

Die Wirkung sollte nicht nur über die Zufriedenheit mit dem Seminar bewertet werden. Aussagekräftiger sind Veränderungen im Verhalten, in der Zusammenarbeit und bei zuvor definierten Zielen.

Gilt das 70-20-10-Modell für die Führungskräfteentwicklung?

Das 70-20-10-Modell ist eine bekannte Lernheuristik, aber keine wissenschaftlich belegte Verteilungsregel. Die Zahlen sollten daher nicht als feste Vorgabe für jedes Führungskräfteprogramm oder als verbindliche Budgetformel verwendet werden.

Traditionell wird das Modell so dargestellt:

  • 70 Prozent: Lernen durch herausfordernde Aufgaben und praktische Erfahrungen
  • 20 Prozent: Lernen durch Feedback, Coaching, Mentoring und andere Menschen
  • 10 Prozent: Lernen durch Seminare, Kurse und formale Weiterbildung

Die Forschungslage zur exakten prozentualen Aufteilung ist jedoch schwach. Eine wissenschaftliche Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Beleglage für die „70-Prozent-Regel“ nicht ausreicht, um sie als allgemeingültige Aussage über Lernen am Arbeitsplatz zu verwenden. researchgate Auch eine Untersuchung zu Leadership-Development-Praxis weist darauf hin, dass es keine ausreichenden Belege für die Wirksamkeit des Modells als festes Verhältnis gibt. mdpi

Wie Du das Modell sinnvoll nutzt

Als Denkmodell kann 70-20-10 trotzdem helfen. Es erinnert daran, dass ein Seminar allein selten genügt und der Lerntransfer im Alltag geplant werden muss.

Sinnvoller als eine starre Aufteilung ist diese Frage:

  • Welche formalen Grundlagen braucht die Führungskraft?
  • Welche reale Aufgabe ermöglicht die Anwendung?
  • Wer gibt Feedback?
  • Welche Begleitung unterstützt die Verhaltensänderung?
  • Woran wird der Fortschritt erkennbar?

Die Aussage im ursprünglichen Fazit sollte deshalb präziser lauten:

Führungskräfteentwicklung sollte formales Lernen, soziale Lernformen und praktische Erfahrungen verbinden. Das 70-20-10-Modell kann dafür als Orientierung dienen, ist aber keine wissenschaftlich bestätigte Prozentregel.

Welche Fehler solltest Du bei Führungskräfteentwicklung vermeiden?

Typische Fehler entstehen, wenn Weiterbildung als Einzelmaßnahme statt als Entwicklungsprozess verstanden wird.

Vermeide insbesondere:

  • ein Standardseminar für alle Führungsebenen
  • reine Wissensvermittlung ohne Übung
  • fehlende Unterstützung durch die direkte Führungskraft
  • zu viele Inhalte ohne klare Priorität
  • keine Zeit für Transfer und Reflexion
  • Erfolgsmessung ausschließlich über Teilnehmerzufriedenheit
  • Coaching ohne konkretes Entwicklungsziel
  • 360-Grad-Feedback ohne anschließende Begleitung
  • das 70-20-10-Modell als starre Budgetformel
  • Führungskräfteentwicklung ohne Bezug zur Unternehmensstrategie

Ein gutes Programm muss nicht möglichst viele Methoden enthalten. Es muss die richtigen Methoden zum konkreten Entwicklungsziel verbinden.

Fazit auf einen Blick

  • Führungskräfteentwicklung ist strategisch relevant, aber kein Selbstläufer.
  • Wirksame Programme kombinieren Seminare, Coaching, Feedback, Peer-Learning und Praxiserfahrung.
  • Die fünf zentralen Entwicklungsfelder sind Selbstführung, Kommunikation, Mitarbeiterführung, strategisches Denken und Veränderungskompetenz.
  • Neue, erfahrene und seniorige Führungskräfte brauchen unterschiedliche Lerninhalte.
  • Gute Programme enthalten Praxisanteile, individuelle Rückmeldungen und Transfersicherung.
  • Weiterbildung wirkt nachhaltiger, wenn das Unternehmen Zeit, Verantwortung und Anschlussmöglichkeiten bereitstellt.
  • Das 70-20-10-Modell ist eine Orientierung für einen Methodenmix, aber keine wissenschaftlich bestätigte Prozentregel.
  • Die Investition kommt Führungskräften und Organisationen zugute, wenn Entwicklung im Arbeitsalltag sichtbar und überprüfbar wird.

 

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