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Flow Introversion

Selbstcheck: Welcher Saboteur kostet dich gerade am meisten Energie?

Corinna Behling
Corinna Behling

Teil 4 der Serie „Still. Stark. Im Flow."

Drei Wochen haben wir uns mit Theorie beschäftigt.

Mit dem Richter, der nach jedem Meeting das Protokoll erstellt. Mit Kontrolleur, Hyper-Rationalem und Vermeidendem, die still im Hintergrund laufen. Mit dem Sage – dem Teil in dir, der bereits alles hat, was du brauchst.

Heute wird es konkret. Denn das Schönste an diesem Wissen nützt wenig, solange es abstrakt bleibt. Es muss in deinen Alltag. In deine Meetings, deine Entscheidungen, deine Abende nach einem langen Tag.

Dafür brauchst du einen ersten, klaren Schritt.

Dieser Schritt beginnt mit fünf Fragen.

Warum ein Selbstcheck und kein Test

Es gibt verschiedene offizielle Saboteur-Assessments und ich empfehle sie ausdrücklich als tiefergehende Werkzeuge.

Aber was ich heute mit dir machen möchte, ist etwas anderes: ein bewusstes Innehalten. Eine Einladung, dein eigenes Erleben der letzten Tage genau anzuschauen.

Nicht mit dem Ziel, dich zu kategorisieren. Sondern mit dem Ziel, klarer zu sehen – wer gerade am lautesten spricht.

Nimm dir zehn Minuten. Einen ruhigen Moment. Vielleicht einen Kaffee oder einen Tee.

Und lies jede Frage wirklich.

Die fünf Fragen

Frage 1: Wann warst du diese Woche erschöpfter als erwartet?

Denk an einen konkreten Moment. Was ist kurz davor passiert? War es eine Situation, in der du das Gefühl hattest, die Kontrolle behalten zu müssen? In der du lange gegrübelt hast, ohne zu einem Ende zu kommen? In der du etwas aufgeschoben hast, das dich eigentlich schon länger begleitet?

Hinweis: Erschöpfung, die nicht mit dem Aufwand zusammenhängt, ist oft ein Zeichen aktiver Saboteure.

Frage 2: Welche Stimme war heute am lautesten – nach einer Herausforderung?

War es: „Ich hätte das besser machen können" – der Richter. Oder: „Ich muss das selbst in die Hand nehmen, sonst klappt es nicht" – der Kontrolleur. Oder: „Das macht keinen Sinn, ich kann das nicht begründen" – der Hyper-Rationale. Oder: „Ich warte noch kurz, bevor ich das angehe" – der Vermeidende.

Hinweis: Keine Stimme ist besser oder schlechter. Es geht nur um Erkennen.

Frage 3: Gab es einen Moment, in dem du dich zurückgehalten hast – obwohl du etwas beizutragen hattest?

In einem Meeting, einem Gespräch, einer Situation, in der dein Gedanke gut gewesen wäre – aber unausgesprochen geblieben ist.

Was hat dich zurückgehalten? Zweifel an der eigenen Meinung? Die Angst, zu viel Raum einzunehmen? Die Überzeugung, erst alles perfekt durchdacht haben zu müssen?

Hinweis: Zurückhalten ist oft eine Kombination aus Richter und Kontrolleur – beide wollen sicherstellen, dass du keinen Fehler machst.

Frage 4: Wann hast du diese Woche aus deinem Sage heraus gehandelt?

Das ist die wichtigste Frage – und sie wird oft übersprungen, weil Sage-Momente leiser sind als Saboteur-Momente.

Erinnerst du dich an einen Moment, in dem du klar und ruhig gesagt hast, was du denkst? In dem du jemandem wirklich zugehört hast, ohne sofort zu bewerten? In dem eine Entscheidung sich einfach richtig angefühlt hat?

Das war dein Sage.

Hinweis: Schreib diesen Moment auf. Er ist wichtiger als die Saboteur-Momente.

Frage 5: Was bräuchtest du morgen, um öfter aus dem Sage zu handeln?

Nicht was du verändern müsstest. Sondern was du bräuchtest.

Weniger Termine? Einen ruhigeren Start in den Morgen? Ein Gespräch, das du schon zu lange aufgeschoben hast? Einen Moment der Stille, bevor du in das nächste Meeting gehst?

Introvertierte wissen meistens sehr genau, was sie brauchen. Die Frage ist nur, ob sie sich erlauben, danach zu handeln.

Hinweis: Der Sage handelt nicht aus Druck. Er handelt aus Klarheit. Und Klarheit braucht Raum.

Was du mit deinen Antworten machst

Keine Auswertung. Kein Score.

Nur diese eine Einladung: Schau, welche Frage dich am meisten berührt hat. Welche Antwort sich am ehrlichsten angefühlt hat. Welcher Saboteur am häufigsten aufgetaucht ist.

Das ist dein Startpunkt.

Nicht weil du ihn bekämpfen sollst, sondern weil du ihn jetzt kennst. Und was du kennst, hat weniger Macht über dich.

Ein letzter Gedanke

In den letzten vier Wochen haben wir uns die innere Landschaft angeschaut.

Saboteure erkennen. Sage wahrnehmen. Beobachten statt kämpfen.

Das ist kein kleines Unterfangen. Es ist – leise, ohne Tschakka-Momente – der Anfang von etwas.

Nächste Woche beginnt Phase 2 der Serie: Wie du deinen Sage im Alltag gezielt aktivierst. Konkrete Wege, in kleinen Momenten, die sich summieren.

Und irgendwann – in einem Meeting, in einer Entscheidung, an einem ganz normalen Dienstagnachmittag – wirst du merken:

Das hier fließt. Das bin ich. Das ist mein Flow.

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