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Impostor-Syndrom bei Frauen
Persönlichkeit Karriere

Impostor-Syndrom bei Frauen: Warum du dich wie eine Hochstaplerin fühlst und wie du damit aufhörst

Corinna Behling
Corinna Behling

Du hast die Stelle bekommen, das Projekt gewonnen, die Beförderung erhalten – und trotzdem wartest du darauf, dass jemand merkt, dass du eigentlich gar nicht so gut bist, wie alle denken. Dieses Gefühl hat einen Namen: Impostor-Syndrom. Und es betrifft Frauen überproportional häufig.

Was ist das Impostor-Syndrom bei Frauen?

Das Impostor-Syndrom beschreibt das anhaltende Gefühl von Frauen, trotz nachweisbarer Erfolge eine Hochstaplerin zu sein, und die ständige Angst, dass dies irgendwann auffliegen könnte. Betroffene schreiben ihre Leistungen Glück, Zufall oder äußeren Umständen zu und nicht ihrer eigenen Kompetenz.

Der Begriff wurde 1978 von den Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes geprägt, die ihn zunächst ausschließlich bei Frauen beschrieben. Seither hat die Forschung gezeigt: Das Phänomen betrifft Menschen aller Geschlechter, wobei Frauen häufiger und stärker betroffen sind – insbesondere in männlich dominierten Berufsfeldern und Führungspositionen.

Was ist das Frauen-Impostor-Syndrom?

Das Impostor-Syndrom bei Frauen ist keine eigenständige Diagnose, sondern ein psychologisches Muster, das sich in typischen Denk- und Verhaltensweisen zeigt:

  • Erfolge werden externalisiert: „Ich hatte einfach Glück." „Die anderen haben mir geholfen." „Es war der richtige Zeitpunkt."
  • Misserfolge werden internalisiert: „Das zeigt, dass ich es eben doch nicht kann."
  • Überkompensation durch Überarbeitung: Um nicht aufzufliegen, arbeiten Betroffene überdurchschnittlich viel. Das bringt kurzfristig Erfolg, führt aber langfristig zu Erschöpfung.
  • Vermeidung von Herausforderungen: Aus Angst zu scheitern, werden neue Aufgaben oder Positionen abgelehnt.
  • Perfektionismus: Nur wenn alles makellos ist, fühlt es sich „sicher” an, doch dieses Gefühl der Sicherheit stellt sich trotzdem nicht ein.

Wie äußert sich das Impostor-Syndrom?

Wie äußert sich das Impostor-Syndrom im Privatleben?

Das Impostor-Syndrom hört nicht am Büroeingang auf. Im Privatleben zeigt es sich oft so:

  • In Beziehungen: Das Gefühl, nicht gut genug für den Partner zu sein oder unverdient geliebt zu werden
  • In der Elternrolle: Die Überzeugung, als Mutter zu versagen, obwohl das Kind gut versorgt ist
  • Im sozialen Umfeld: Sich in Gruppen fehl am Platz fühlen, auch wenn man dazugehört
  • Bei Hobbys und Projekten: Eigene Werke, Texte oder Ideen nicht zeigen, weil sie „noch nicht gut genug" sind
  • In der Selbstwahrnehmung: Das Gefühl, dass andere Menschen irgendwie echter oder kompetenter sind als man selbst

Das Impostor-Syndrom ist kein rein berufliches Phänomen – es färbt auf alle Lebensbereiche ab.

Was ist das Mom-Impostor-Syndrom?

Das Mom-Impostor-Syndrom beschreibt das Gefühl von Müttern, nicht gut genug zu sein – trotz aller Liebe, Fürsorge und Anstrengung. Es ist eine spezifische Ausprägung des Impostor-Syndroms, die durch gesellschaftliche Erwartungen an „gute Mütter" verstärkt wird.

Typische Gedanken beim Mom-Impostor-Syndrom:

  • „Andere Mütter machen das besser als ich."
  • „Mein Kind verdient jemanden, der mehr weiß / mehr gibt / mehr Zeit hat."
  • „Ich tue nur so, als hätte ich alles im Griff."

Das Mom-Impostor-Syndrom ist besonders verbreitet bei berufstätigen Müttern, die zwischen Karriere und Familie balancieren – und das Gefühl haben, in beiden Bereichen nicht genug zu sein.

Was ist das Imposter-Symptom?

Der Begriff „Imposter-Symptom" wird manchmal synonym mit Impostor-Syndrom verwendet, beschreibt aber genauer die einzelnen Anzeichen, die auf das Muster hinweisen:

  • Chronisches Selbstzweifeln trotz objektiver Erfolge
  • Angst vor Entlarvung als inkompetent
  • Schwierigkeiten, Lob anzunehmen
  • Übertriebene Vorbereitung oder Prokrastination
  • Vergleiche mit anderen, die immer zu Ungunsten der eigenen Person ausfallen
  • Das Gefühl, Erfolge nicht verdient zu haben

Wenn mehrere dieser Symptome dauerhaft auftreten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen – und professionelle Unterstützung in Betracht zu ziehen.

Warum sind Frauen häufiger betroffen?

Strukturelle und gesellschaftliche Ursachen sind die Gründe für das Impostor-Syndrom bei Frauen:

Gesellschaftliche Erwartungen: Frauen werden häufiger dafür sozialisiert, bescheiden zu sein und eigene Leistungen nicht zu übertreiben. Was bei Männern als Selbstbewusstsein gilt, wird bei Frauen oft als Arroganz wahrgenommen.

Stereotype Bedrohung: In Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, entsteht ein unbewusster Druck, das Stereotyp zu bestätigen oder zu widerlegen. Dieser Druck kostet kognitive Kapazität – und verstärkt Selbstzweifel.

Fehlende Vorbilder: Wer keine Menschen sieht, die so aussehen wie man selbst und trotzdem erfolgreich sind, hat es schwerer, sich selbst als kompetent wahrzunehmen.

Doppelte Bewertungsstandards: Studien zeigen, dass Frauen für gleiche Leistungen häufiger kritischer bewertet werden als Männer – was reale Erfahrungen von Inkompetenz-Unterstellungen schafft, auch wenn keine vorliegt.

Wie kommt es zum Impostor-Syndrom?

Das Impostor-Syndrom entsteht selten aus einer einzigen Ursache. Typische Auslöser und Verstärker:

  • Familiäre Prägung: Sehr hohe Erwartungen der Eltern oder das Gefühl, nie gut genug zu sein
  • Vergleiche in der Kindheit: „Deine Schwester ist so viel besser in …"
  • Erste Misserfolge in neuen Umgebungen: z. B. beim Wechsel auf eine anspruchsvollere Schule oder in einen neuen Job
  • Minderheitenstatus: Als Frau, Person of Color oder erste in der Familie mit Hochschulabschluss in einem Umfeld zu sein, das nicht die eigene Erfahrungswelt widerspiegelt
  • Perfektionistisches Umfeld: Organisationen, die Fehler bestrafen statt als Lernchance behandeln

Was ist das Gegenteil vom Impostor-Syndrom?

Das Gegenteil des Impostor-Syndroms ist gesundes Selbstvertrauen: die Fähigkeit, eigene Leistungen realistisch einzuschätzen, Erfolge anzuerkennen und Misserfolge als Teil des Lernprozesses zu sehen.

In der Psychologie wird das Gegenteil manchmal als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet: Menschen mit geringer Kompetenz überschätzen ihre Fähigkeiten. Interessanterweise zeigen Studien, dass hochkompetente Menschen eher zum Impostor-Syndrom neigen, während weniger kompetente Menschen eher zur Überschätzung neigen.

Das Ziel ist also nicht, das Impostor-Syndrom durch Selbstüberschätzung zu ersetzen – sondern durch eine realistische, wohlwollende Selbstwahrnehmung.

Was hilft gegen das Impostor-Syndrom?

Kurzfristige Strategien

  • Erfolge dokumentieren: Führe eine Liste deiner Leistungen, positiven Rückmeldungen und gelösten Herausforderungen. Lies sie, wenn der Zweifel kommt.
  • Mit anderen sprechen: Das Impostor-Syndrom lebt von Isolation. Wenn du merkst, dass andere ähnliche Gefühle kennen, verliert es seinen Schrecken.
  • Fakten gegen Gefühle stellen: Frage dich: Was spricht objektiv für meine Kompetenz? Welche Beweise habe ich?
  • Lob annehmen üben: Sag „Danke" – ohne das Lob sofort zu relativieren oder wegzuschieben.

Langfristige Strategien

  • Coaching oder Therapie: Besonders bei tiefem Selbstzweifel hilft professionelle Unterstützung, die Wurzeln des Musters zu verstehen und zu verändern.
  • Mentoring: Eine erfahrene Person, die deine Entwicklung begleitet, kann helfen, ein realistischeres Selbstbild zu entwickeln.
  • Wachstumsorientiertes Umfeld suchen: In Organisationen, die Fehler als Lernchance behandeln, hat das Impostor-Syndrom weniger Nährboden.
  • Selbstmitgefühl üben: Behandle dich selbst so, wie du eine gute Freundin behandeln würdest – mit Verständnis statt mit Kritik.

Mit den eigenen Stärken arbeiten: Coaching „Introvertiert & im Flow“

Wenn Du Deine Erfolge immer wieder kleinredest und Deine eigenen Stärken schwer annehmen kannst, kann ein Coaching wie „Introvertiert & im Flow“ Dich dabei unterstützen, Deine Fähigkeiten bewusster wahrzunehmen und auf Deine eigene Weise einzusetzen. Gerade introvertierte Frauen sehen ihre ruhige, gründliche und reflektierte Art nicht immer als Stärke, obwohl darin wichtige Ressourcen liegen können.

Im Coaching geht es nicht darum, Dich in eine lautere oder extrovertiertere Version von Dir zu verwandeln. Du darfst herausfinden, was Dich auszeichnet, wie Du Deine Stärken sichtbar machst und wie Du beruflich oder persönlich mehr in Deinen eigenen Flow kommst.

In einem kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch kannst du zunächst erzählen, was dich beschäftigt. Wir schauen dann gemeinsam, ob „Introvertiert & im Flow“ zu deinem Anliegen passt und wie du deine individuellen Stärken nutzen kannst. Anschließend entscheidest du in Ruhe, ob du eine Begleitung möchtest.

Fazit auf einen Blick

Das Wichtigste zum Impostor-Syndrom bei Frauen zusammengefasst:

  • Das Impostor-Syndrom ist das anhaltende Gefühl, eine Hochstaplerin zu sein – trotz nachweisbarer Kompetenz
  • Frauen sind überproportional betroffen – durch gesellschaftliche Prägung, Stereotype und fehlende Vorbilder
  • Typische Muster: Erfolge externalisieren, Misserfolge internalisieren, Überkompensation durch Überarbeitung
  • Das Mom-Impostor-Syndrom betrifft besonders berufstätige Mütter, die das Gefühl haben, nirgendwo genug zu sein
  • Das Gegenteil ist nicht Arroganz – sondern realistisches, wohlwollendes Selbstvertrauen
  • Kurzfristig helfen: Erfolge dokumentieren, mit anderen sprechen, Lob annehmen üben
  • Langfristig helfen: Coaching, Mentoring und ein wachstumsorientiertes Umfeld

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